Transkriptionsregeln

Die unterschiedlichen Transkriptionsregeln legen fest, wie die gesprochene Sprache in die schriftliche Form übertragen werden soll. Hauptsächlich unterscheiden sich die verschiedenen Transkriptionsregeln dadurch, ob und wie verbale und nicht-verbale Merkmale (z. B. Betonung, Sprechpausen, Hüsteln, gedehntes Sprechen) berücksichtigt werden. Ebenso können weitere Merkmale relevant sein, wie zum Beispiel, wenn ein Telefon klingelt oder ob jemand den Raum verlässt. Ob all dies verschriftlicht wird, hängt vor allem davon ab, welchem Zweck das Transkript dienen soll.

Einzelne Regeln im Detail

Für Studenten bieten wir die Verschriftlichung von Audiodateien mit vereinfachten Transkriptionsregeln an. Es werden hierbei jedoch weder Zeitmarken eingesetzt noch Pausen, Wort- oder Satzabbrüche erfasst. Gerade für Studenten kann dies eine kostengünstige Variante sein, sofern von der etwaigen Hochschule oder Universität keine anderen Transkriptionsregeln gefordert werden.

Bei den einfachen Transkriptionsregeln steht der Fokus auf dem Inhalt, ohne dass die Grammatik des Gesagten verändert wird. Das bedeutet, dass wörtlich und nicht lautsprachlich transkribiert wird. Zudem kommen folgende Regeln zum Tragen:

  • Dialekte/Wortverschleifungen: Wortverschleifungen werden dem Schriftdeutsch angenähert. So wird beispielsweise aus „ich hab da noch so ne Idee“ der Satz „ich habe da noch so eine Idee“. Grundsätzlich wird die Satzform beibehalten, auch bei syntaktischen Fehlern.
  • Wort- und Satzabbrüche: Sowohl Wort- und Satzabbrüche als auch Stottern werden ausgelassen oder geglättet. Zudem werden Wortdoppelungen nur dann erfasst, wenn sie der Betonung dienen wie zum Beispiel: „Ich bin mir sehr, sehr sicher.“ Halbsätze oder nicht vollendete Sätze werden mit einem Abbruchzeichen gekennzeichnet.
  • Verständnissignale: Äußerungen wie „ähm“, „mhm“, „aha“ etc. werden nicht verschriftlicht. Sie werden nur aufgenommen, wenn eine Antwort nur aus einem Verständnissignal besteht. „Mhm“ wird beispielsweise als Bejahung und „mhm“ als Verneinung erfasst, je nach Interpretation.
  • Sprechpausen werden nur bei Relevanz erfasst.

Im Grunde greifen hier die einfachen Transkriptionsregeln nach Dresing & Pehl. Das Besondere ist hier, dass jedoch grammatikalisch richtige Sätze ohne Satzabbrüche transkribiert werden. Meist wählen Journalisten diese Art der Transkription.

Hier erfolgt die Verschriftlichung des Gesprochenen wortwörtlich nach Dresing & Pehl. Das bedeutet unter anderem, dass Wortverkürzungen, wie zum Beispiel „runtergehen“ auch genauso geschrieben wird anstatt „heruntergehen“. Außerdem werden folgende Regeln befolgt:

  • wie bei den einfachen Regeln. Dialekte/Wortverschleifungen: Wie auch bei den einfachen Transkriptionsregeln werden die Wortverschleifungen dem Schriftdeutsch angenähert und die Satzform wird beibehalten. Auf Wunsch können Dialekte auch miterfasst werden.
  • Wort- und Satzabbrüche: Sowohl Wort- und Satzabbrüche als auch Stottern werden entsprechend markiert. Außerdem werden auch Wortdoppelungen aufgenommen.
  • Verständnissignale: Äußerungen und Fülllaute wie „ähm“, „mhm“, „aha“ etc. werden transkribiert.
  • Sprechüberlappungen: Das gleichzeitige Sprechen (Sprechüberlappungen) von mehreren Sprechern werden übernommen.
  • Pausen werden je nach Länge durch Auslassungspunkte in runden Klammern notiert. Ein Punkt in der Klammer steht für circa eine Sekunde. Ab vier Sekunden wir die Länge als Zahl in Sekunden, wie zum Beispiel aufgeführt.

Transkriptionen nach Kuckartz lenken das Augenmerk auf den Inhalt des Gesprochenen. Die Lesbarkeit für spätere Nutzer steht im Vordergrund. Verschleifungen und Dialekte glätten wir für Sie, um Zweideutigkeiten und Missinterpretationen zu vermeiden.

TiQ (Talk in Qualitative Social Research) fügt Inhalten die Emotionen während des Gespräches hinzu. Wir notieren für Sie die Pausen und den Sprachrhythmus. So bleibt für Ihre rekonstruktive Auswertung erhalten, wie etwas gesagt wurde.

Im GAT2 Minimalskript (Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2) notieren wir phonetische und phonologische Merkmale. Dialekte, Akzente und gruppenspezifische Einflüsse bleiben in der Transkription ebenso erhalten, wie Verzögerungen und Wortpausen. Der Ausbau zum Basis- und Feintranskript ist modular. GAT2 zählt aufgrund seiner komplexen Möglichkeiten als Standard in der Linguistik.

Bevor Sie sich für eine Transkriptionsregel entscheiden, stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Wie wichtig ist es für Sie genau zu wissen, wie etwas gesagt wurde, um das Gesagte anschließend zu interpretieren?
  • Wie wichtig ist es für Sie zu wissen, was gesagt wurde, damit Sie das Gesagte anschließend analysieren und vergleichen können?

Eine wörtliche Transkription nach erweiterten Regeln ist zu empfehlen, wenn Sie das Gesagte interpretieren, bzw. herausfinden möchten, ob der Sprechende Emotionen zeigte wie Lachen, Zweifeln, Zögern und so weiter. Wenn Sie mehr Wert auf den Inhalt des Gesprochenen legen, reicht die Transkription nach einfachen Regeln aus. Sollten Sie hingegen lediglich einen gut lesbaren Text benötigen, empfehlen wir Ihnen die einfache Glättung des Gesprochenen.

So gehen wir mit schwer verständlichen Textstellen um:

Durch das manuelle Bearbeiten Ihrer Transkription kommt es nur selten vor, dass einzelne unverständliche Stellen im Transkript verbleiben. Sollte die Qualität einer Tonaufnahme eine exakte Niederschrift ausnahmsweise nicht zulassen, helfen wir Ihnen dennoch weiter. Wir fügen in diesem Fall der Transkription die exakten Zeitmarken hinzu, an denen sich die schwer verständlichen Passagen befinden. Oft können Sie mit Ihrem speziellen Fachwissen rekonstruieren, was die Beteiligten vor Ort gesagt haben.

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